Wachsende Ungleichheit trotz Fortschritten

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Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat in ihrem neuen Bericht State of Social Justice 2025 Bilanz gezogen: In den letzten drei Jahrzehnten wurden Fortschritte erzielt. Doch Ungleichheiten bleiben hartnäckig bestehen – und stellen die Weltgemeinschaft vor enorme Herausforderungen.

Nur langsame Fortschritte in den letzten 30 Jahren

Zwar zeigt der neue Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einzelne Fortschritte – etwa bei Schulbildung und Kinderarbeit. Doch der Blick aufs Ganze offenbart ein ernüchterndes Bild: Die globalen Ungleichheiten bleiben tief, strukturell und systematisch. Wer wo geboren wird, welchem Geschlecht er oder sie angehört oder ob ein Arbeitsplatz formell oder informell ist, entscheidet oft über Chancen, Einkommen, Sicherheit – und letztlich über Gerechtigkeit.

Die ILO spricht von einem langsamen und ungleichen Fortschritt – und warnt davor, dass ohne politische Umsteuerung die soziale Ungleichheit weiter zementiert wird.

Hartnäckige Ungleichheiten

Soziale Gerechtigkeit bleibt weltweit eine grosse Baustelle. Der ILO-Bericht zeigt, wie tief manche Probleme verwurzelt sind:

800 Millionen Menschen in Armut:

Noch immer lebt fast ein Zehntel der Weltbevölkerung von weniger als drei Dollar pro Tag. Armut bedeutet nicht nur leere Mägen – sie bedeutet auch fehlende Bildungschancen, Gesundheitsrisiken und ein Leben ohne Sicherheit.

Kein sauberes Trinkwasser für jede*n Vierte*n:

Während in reichen Ländern Wasser aus der Leitung selbstverständlich ist, haben weltweit 25 Prozent der Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Das macht krank und verschärft Armutsspiralen.

Reichtum extrem ungleich verteilt:

Das oberste 1 Prozent kontrolliert 20 Prozent des weltweiten Einkommens und sogar 38 Prozent des Vermögens. Diese Schieflage bremst Entwicklung und untergräbt das Vertrauen in Institutionen.

Arbeiten ohne Schutz:

58 Prozent aller Beschäftigten arbeiten informell – ohne Vertrag, ohne soziale Sicherheit, oft ohne faire Löhne. Für sie gibt es weder Schutz bei Krankheit noch Anspruch auf Rente.

Frauen noch immer im Nachteil:

Zwar sind heute mehr Frauen erwerbstätig als vor 30 Jahren, doch die Lücke zur Männerbeteiligung hat sich nur um drei Prozentpunkte verringert. Vor allem unbezahlte Sorgearbeit – die weltweit zu drei Vierteln von Frauen getragen wird – hält sie davon ab, gleichberechtigt am Arbeitsmarkt teilzunehmen.

Gewerkschaftsrechte unter Druck:

Laut ILO haben sich die Bedingungen für Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen in den letzten Jahren verschlechtert. In vielen Ländern werden Gewerkschaften eingeschränkt, bestimmte Gruppen von Arbeitnehmenden – etwa Migrant:innen, Plattformbeschäftigte oder prekär Angestellte – werden systematisch von diesen Rechten ausgeschlossen. Damit verlieren Millionen Menschen die Möglichkeit, ihre Interessen gemeinsam zu vertreten und für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen

Drei faire Übergänge sind entscheidend

Die ILO betont, dass soziale Gerechtigkeit künftig davon abhängt, ob es gelingt, drei grosse globale Transformationen gerecht zu gestalten:

  • Klimawandel: Millionen Jobs in fossilen Industrien gehen verloren – aber noch mehr neue Arbeitsplätze können in grünen Sektoren entstehen, wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.
  • Digitalisierung: Technologien wie künstliche Intelligenz verändern Arbeitsmärkte fundamental. Damit Chancen fair verteilt werden, braucht es Schutzrechte und Weiterbildung.
  • Demografie: Alterung in reichen Ländern und Bevölkerungswachstum in armen Ländern erfordern neue Antworten in Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

Was es jetzt braucht

Der Bericht fordert, bestehende Institutionen wie Sozialschutz, Arbeitsrechte und Kollektivverhandlungen zu stärken, sie an die neuen Herausforderungen anzupassen und sie in übergeordnete Politikfelder – wie Klima, Wirtschaft und Gesundheit – einzubinden. Solidar Suisse kämpft genau dafür: für faire Löhne, starke Rechte für Arbeitnehmende, gegen Kinderarbeit und für eine gerechte Gestaltung der grossen globalen Umbrüche. Nur wenn wir Ungleichheit an der Wurzel bekämpfen, schaffen wir eine gerechtere Welt.

Der ILO-Bericht über soziale Gerechtigkeit 2025

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