Zürich, 19.01.2026 - Zum Auftakt des World Economic Forum (WEF) in Davos veröffentlicht Oxfam den Bericht «Resisting the Rule of the Rich». Solidar Suisse präsentiert die Schweizer Zahlen. Die zentrale Botschaft: Extremer Reichtum konzentriert sich auch hierzulande – und erleichtert den Zugang zu politischer Macht und medialer Dauerpräsenz.

In der Schweiz verfügen 41 Milliardäre über ein Gesamtvermögen von rund 197 Milliarden Franken. Allein 2025 ist dieses Vermögen um 14,6 Milliarden Franken gewachsen. Wie gross die Schieflage ist, zeigt ein Vergleich: Ein Milliardär braucht im Schnitt 107 Minuten, um so viel zu verdienen wie eine durchschnittliche Person in der Schweiz in einem ganzen Jahr.

Verflechtungen gefährden transparente Entscheide

Die Schweiz folgt einem internationalen Trend: Wo sich Vermögen stark konzentriert, wächst auch der politische Einfluss – über Lobbying, Netzwerke, Kampagnenfinanzierung und die Fähigkeit, öffentliche Debatten zu prägen. Das bleibt nicht abstrakt: Es beeinflusst, welche Themen politisch Priorität erhalten und wie Entscheidungen zustande kommen. Besonders sichtbar wird das in der Schweiz in der Finanzierung und Prägung von Abstimmungskämpfen, vor allem bei steuer- und wirtschaftspolitischen Vorlagen. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die enge Verflechtung von Bundesverwaltung, Verbänden und grossen Konzernen birgt Risiken für transparente, demokratisch kontrollierte  Entscheidungsprozesse. Wenn wirtschaftliche Macht und politische Nähe zusammenkommen, wird es schwieriger nachzuvollziehen, welche Interessen hinter Entscheidungen stehen – und wer davon profitiert.

WEF als Schaufenster der Macht

Wie sehr Kapital, Zugang und Aufmerksamkeit zusammenspielen, zeigt sich jedes Jahr in Davos: Das WEF bringt jene zusammen, die über besonders viel Ressourcen und mediale Präsenz verfügen – und damit überproportional mitbestimmen können, welche Themen auf die politische Agenda kommen. Wenn Milliardäre und Spitzenpolitikerinnen dort medienwirksam auftreten – etwa auch Donald Trump – wird greifbar, was Susanne Rudolf anspricht: «Demokratie ist kein Selbstläufer. Wenn grosse Vermögen politischen Einfluss erleichtern, müssen Mitsprache und politische Teilhabe für alle gesichert bleiben – sonst verlieren demokratische Rechte an Substanz, weil Einfluss zunehmend von wirtschaftlichen Ressourcen
abhängt.»

Solidar Suisse fordert klare Regeln

Der neue Oxfam-Report zeigt eine deutliche Zuspitzung: Das Vermögen der Milliardäre wuchs 2025 weltweit um rund 16 Prozent – dreimal so schnell wie im Durchschnitt der fünf Jahre davor – und erreichte insgesamt einen neuen Höchststand von 18,3 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig lebt fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Armut und Hunger. Eine gefährliche Verschiebung: Wirtschaftliche Ungleichheit wird immer häufiger zu politischer Ungleichheit.

Solidar Suisse fordert gemeinsam mit Oxfam gerechtere Besteuerung grosser Vermögen, klare Regeln für Lobbying und politischen Einfluss sowie mehr Transparenz bei der Finanzierung von Politik und Kampagnen:

  • Schutz und Stärkung demokratischer Teilhabe: Rechte auf Organisation, Protest und Mitsprache dürfen nicht ausgehöhlt werden – in der Schweiz und weltweit.
  • Gerechtere Besteuerung grosser Vermögen und sehr hoher Einkommen, damit extreme Konzentration begrenzt und öffentliche Leistungen gesichert werden.
  • Verbindliche Transparenzregeln für die Finanzierung von Politik und Abstimmungskampagnen (inkl. Offenlegung von grossen Spenden, Budgets und Auftraggebern).
  • Klare Lobbying-Regeln mit Register, Offenlegung von Kontakten/Interessenbindungen und wirksamen Abkühlfristen (Drehtür-Effekte).

Solidar Suisse setzt sich im globalen Süden dafür ein, dass Menschen ihre Rechte einfordern können – und demokratische Kontrolle gegenüber wirtschaftlicher Macht gestärkt wird. Ungleichheit zu bekämpfen heisst, die Demokratie zu schützen.

Über Solidar Suisse

Solidar Suisse kämpft weltweit für faire Arbeitsbedingungen und demokratische Mitbestimmung. In 80 Projekten setzt sich die NPO für soziale Gerechtigkeit und gegen extreme Ungleichheit ein. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen beseitigt die Schweizer Organisation Missstände und eröffnet benachteiligten Menschen neue Perspektiven.

Medienkontakt

Melanie Wirz
Kommunikations- und Medienverantwortliche Deutschweiz

melanie.wirz@solidar.ch

+41 (0)44 444 19 18

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