Das Erdbeben ist vorbei – die Krise nicht

Ihre Unterstützung zählt

Für Sicherheit, Würde und eine Zukunftsperspektive in Syrien.

Drei Jahre sind vergangen, seit am 6. Februar 2023 mitten in der Nacht die Erde im Süden der Türkei und im Nordwesten Syriens bebte. Über 60’000 Menschen verloren ihr Leben, Millionen wurden aus ihrem Alltag gerissen. Häuser stürzten ein, ganze Quartiere wurden zerstört. Auch heute, drei Jahre später, ist für viele Menschen – vor allem in Syrien – ein normales Leben noch immer ausser Reichweite.

Von akuter Nothilfe zum langen Weg der Erholung

Unmittelbar nach dem Erdbeben war die Not in der Türkei und in Syrien enorm. Es war Winter, viele Menschen hatten alles verloren: ihr Zuhause, ihre Existenz, ihre Sicherheit. Solidar Suisse begann gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen sofort zu handeln – mit dem Ziel, dort zu unterstützen, wo andere Hilfe oft nicht ankam. «Im Fokus standen die dringendsten Bedürfnisse: Zugang zu Wasser und Lebensmittel, Notunterkünfte, Decken, Hygieneartikel und Schutz vor Kälte», erinnert sich Lukas Frohofer, der die Arbeit in der Türkei und Syrien koordiniert. Wo andere Hilfe nicht ankam, erhielten besonders verletzliche Menschen in abgelegenen Gebieten Unterstützung. Doch vor allem in Syrien traf das Erdbeben auf eine Bevölkerung, die bereits seit Jahren von Krieg, Vertreibung und Armut geprägt war. Kaum hatte sich der Staub gelegt, gingen die Kämpfe weiter. «Zeit zur Erholung gab es kaum – weder körperlich noch seelisch.» 

Wiederaufbau in einem unsicheren Umfeld

Mit der Zeit verlagerte sich die Arbeit von Solidar Suisse von der Soforthilfe hin zum Wiederaufbau und zur Stabilisierung. Häuser wurden repariert, Wasser- und Sanitärsysteme instand gesetzt, Schulen wieder nutzbar gemacht. Gleichzeitig rückte die psychosoziale Unterstützung stärker in den Fokus. Viele Kinder litten unter Angst, Schlaflosigkeit und Konzentrationsproblemen. Eltern standen unter enormem Druck, ihren Familien Halt zu geben. «Mobile Teams, kinderfreundliche Räume und psychosoziale Begleitung halfen dabei, wieder ein Stück Stabilität in den Alltag der Menschen zu bringen», sagt Lukas Frohofer. 

Neue Hoffnung – und neue Herausforderungen

Wie Hilfe ankommt: eine Schule, eine Lehrerin, neue Perspektiven

Die stellvertretende Schulleiterin Hasnaa Mahyoub in der Al-Moualemeen Schule in Jandairis.

In Jandairis im Nordwesten Syriens zeigt sich, was langfristige Unterstützung bewirken kann. Die Al-Moualemeen Schule wurde durch ein Schulsanierungsprojekt von SARD mit Unterstützung von Solidar Suisse instand gesetzt – und ist heute für Hunderte Kinder wieder ein sicherer Ort zum Lernen.

Hasnaa Mahyoub ist stellvertretende Schulleiterin und Lehrerin. Seit Jahrzehnten unterrichtet sie Kinder in einer Region, die von Krieg, Vertreibung und dem Erdbeben schwer getroffen wurde. Den Zustand der Schule vor der Renovation beschreibt sie eindrücklich: «Die Schule war in einem schrecklichen Zustand. Es gab keinen Spielplatz, keinen Zaun – und die Kinder trugen den Schlamm vom Pausenhof bis in die Klassenzimmer. Es war kein Ort, an dem man lernen konnte.»
Die beschädigte Infrastruktur gefährdete nicht nur die Sicherheit der Kinder, sondern auch ihre Motivation und ihr Wohlbefinden. Mit der Renovation änderte sich das grundlegend: Zwölf Klassenzimmer wurden renoviert, sanitäre Anlagen verbessert, Zugänge für Kinder mit Behinderungen geschaffen und sichere Spiel- und Lernräume eingerichtet. Insgesamt profitieren rund 350 Schülerinnen und Schüler – darunter viele intern Vertriebene.

«Nach der Renovation haben wir eine deutliche Veränderung gespürt. Die Kinder fühlen sich wohler, und ihre Freude am Lernen ist zurückgekehrt», sagt Hasnaa Mahyoub. Neben baulichen Massnahmen wurde auch in den Schutz der Kinder investiert. Lehrpersonen nahmen an Schulungen zu Kinderschutz, sicheren Meldewegen und Lehrer*innen-Safeguarding teil. Das Ziel: Schulen nicht nur stabiler, sondern auch sicherer und unterstützender zu machen. Für neues Vertrauen, neue Stabilität und Zukunftsperspektiven – selbst in einem weiterhin unsicheren Umfeld.

Warum unsere Arbeit auch 2026 unverzichtbar bleibt

Drei Jahre nach dem Erdbeben ist der Wiederaufbau für viele Menschen noch lange nicht abgeschlossen. Provisorische Unterkünfte, fragile Einkommen und anhaltende psychische Belastungen prägen den Alltag – besonders für Kinder, Frauen und andere verletzliche Gruppen. Gleichzeitig werden weltweit humanitäre Mittel gekürzt oder ganz gestrichen. «Das Risiko ist gross, dass mühsam erreichte Fortschritte verloren gehen», warnt Lukas Frohofer und fügt hinzu: «Gerade deshalb bleibt Solidar Suisse vor Ort, weil nachhaltige Erholung Zeit braucht.» Reparierte und winterfeste Unterkünfte schaffen Sicherheit und Würde. Wasser- und Sanitärinfrastruktur schützt die Gesundheit. Einkommensförderung ermöglicht Eigenständigkeit. Psychosoziale Unterstützung hilft, Trauma zu verarbeiten und neue Stabilität aufzubauen. «Echte Perspektive entsteht aus verlässlichem, langfristigem Engagement.» 

Ihre Spende wirkt – heute und morgen

Ihre Spende:

Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie mit, dass Menschen in Syrien nicht zurückgelassen werden, sondern Schritt für Schritt wieder ein Leben in Würde und mit Zukunftsperspektive aufbauen können.

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