Neue Studie: Ungleichheit wird zur Machtfrage

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Wenn sich in Davos die wirtschaftlich und politisch Mächtigsten zum World Economic Forum (WEF) treffen, bleibt ein Thema meist aussen vor: die rasant wachsende Ungleichheit – und was sie mit unserer Demokratie macht. Solidar Suisse und Oxfam rücken diese blinde Stelle ins Zentrum.

Wenn Reichtum Politik formt

Wirtschaftliche Ungleichheit wird zunehmend zu politischer Ungleichheit. Superreiche setzen ihr Vermögen gezielt ein, um Regeln, Diskurse und Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Damit dominieren sie Wahl- und Abstimmungskämpfe, prägen öffentliche Debatten, erhalten privilegierten Zugang zu politischen Institutionen – oder lassen sich selbst in politische Ämter wählen. 

Recherchedaten aus 136 Ländern zeigen: Mit zunehmender wirtschaftlicher Ungleichheit konzentriert sich auch politische Macht. Politische Entscheidungen spiegeln dann systematisch stärker die Interessen einkommensstarker Gruppen wider als jene von Menschen mit wenig Einkommen. Eine zentrale Rolle spielt dabei mediale Macht: Grosse Teile der globalen Medienlandschaft, einschliesslich sozialer Medien und KI-Plattformen, befinden sich in den Händen weniger Milliardäre; neun der zehn grössten Social-Media-Unternehmen werden von lediglich sechs Milliardären kontrolliert. 

Gleichzeitig schrumpfen weltweit zivile und politische Handlungsspielräume. Menschen mit geringem Einkommen und Vermögen stossen auf wachsende Hürden, wenn es um politische Mitsprache geht.  Proteste gegen Ungleichheit und steigende Lebenshaltungskosten werden vielerorts zunehmend kriminalisiert oder unterdrückt. Besonders betroffen sind zivilgesellschaftliche Organisationen und Gewerkschaften.Studien zeigen: Stark ungleiche Gesellschaften erleben bis zu siebenmal häufiger demokratische Rückschritte als egalitärere. Ungleichheit wird so zu einem zentralen Treiber demokratischer Erosion – weltweit, auch in Ländern mit gefestigten demokratischen Institutionen.  

Milliardäre haben 4000-mal höhere Chancen, ein politisches Amt zu bekleiden als gewöhnliche Menschen. Quelle: Oxfam

Die Schweiz in Zahlen

Die Vermögensunterschiede in der Schweiz sind sehr gross: 

  • 41 Milliardäre verfügen über ein Gesamtvermögen von rund 197 Milliarden Franken. 
  • Im Jahr 2025 ist dieses Vermögen um 14,6 Milliarden Franken gewachsen. 
  • Ein Milliardär braucht durchschnittlich nur 107 Minuten, um so viel zu verdienen wie eine durchschnittliche Person in der Schweiz in einem ganzen Jahr. 
  • Das reichste 1 Prozent besitzt rund 31 % des Vermögens, während die ärmsten 50 Prozent lediglich über knapp 4 % verfügen. 

Reichtum ermöglicht zudem politische und mediale Dauerpräsenz. Auch in der stabilen Demokratie der Schweiz lässt sich Vermögen in politische Macht ummünzen. Die Präsenz von Superreichen im Parlament, wie Peter Spuhler, Walter Frey und Martullo-Blocher, ist seit Jahren etabliert und wird selten hinterfragt. Mit Christoph Blocher hatte sogar ein Milliardär einen Sitz im Bundesrat. Dies zeigt, dass Reichtum nicht nur den Zugang zur Politik erleichtert, sondern auch eine mediale Dauerpräsenz ermöglicht. Der Aufstieg der SVP seit den 1990er-Jahren kann zum Teil auf die enormen finanziellen Ressourcen vermögender Vertreter*innen zurückgeführt werden, die es ihnen erlauben, politische Agenda und Diskurs massgeblich zu beeinflussen. 

Bei Abstimmungen, insbesondere zu steuer- und wirtschaftspolitischen Themen, üben Konzerne und ihre milliardenschweren Eigentümer*innen erheblichen Einfluss aus. Durch Verbände wie Economiesuisse können sie mit ihren finanziellen Mitteln das politische Narrativ mitgestalten und somit die öffentliche Meinung steuern. 

Schliesslich zeigt sich eine enge Verzahnung zwischen Bundesverwaltung, Verbänden und multinationalen Konzernen dadurch, dass Wirtschaftsvertreter*innen ohne demokratische Legitimation direkt in staatliche Entscheidungsprozesse eingebunden werden – etwa bei den Zollverhandlungen mit den USA. 

 

Was jetzt nötig ist

Extreme Ungleichheit untergräbt demokratische Strukturen. Wo Vermögen politische Macht bündelt und Menschen mit wenig Ressourcen aus politischen Prozessen gedrängt werden, geraten demokratische Institutionen unter Druck. 

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert Oxfam gemeinsam mit Solidar Suisse die Begrenzung wirtschaftlicher Machtkonzentration durch gerechte Besteuerung und klare Regeln für politischen Einfluss.  

Angesichts des weltweiten Rückgangs ziviler und politischer Rechte sind zwei Punkte zentral: 

  • Die Stärkung der Zivilgesellschaft, von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen als zentralen Träger*innen demokratischer Teilhabe.
  • Der Schutz ziviler und politischer Rechte, insbesondere des Rechts auf Organisation, Protest und Mitbestimmung.

Hier setzt Solidar Suisse an. Gemeinsam mit Partnerorganisationen im globalen Süden stärken wir Menschen und Organisationen darin, ihre Rechte einzufordern, sich zu organisieren und politische Mitsprache durchzusetzen. Ungleichheit zu bekämpfen heisst, die Demokratie zu schützen – in der Schweiz und weltweit. 

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Kommentare

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  • Martin Köchli

    Die Reichen müssen einsehen, dass Armut jede Motivation zur Leistung bricht und damit ein gesellschaftliches Auseinanderdriften fördert, das letztlich auch sie gefährdet. Siehe Deutscher Bauernkrieg, siehe französische Revolution, siehe jedes gesellschaftliche Ungleichgewicht das zu(m) Umstürzen führt(e).

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