Gewinne für wenige: Wie Grosskonzerne Ungleichheit verstärken
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Autor
Susanne Rudolf
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70 Prozent der Gewinne für Aktionär*innen, während viele Menschen mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen: Europas grösste Konzerne treiben die Ungleichheit weiter an. Ein neuer Bericht von Oxfam, für den Solidar Suisse die Schweizer Zahlen ausgewertet hat, zeigt, wie stark wirtschaftliche Macht und Vermögen in den Händen weniger konzentriert sind – und welche Rolle die Schweiz dabei spielt. Für die Schweiz ist das besonders relevant: Neun der 100 untersuchten Unternehmen haben hier ihren Sitz – darunter Nestlé, Novartis, Roche, UBS und Glencore. Ihre Entscheidungen prägen weltweit Arbeitsbedingungen, die Verteilung von Gewinnen und den Umgang mit der Klimakrise.
Gewinne für Aktionär*innen – Kosten für alle anderen
Ungleichheit entsteht auch innerhalb der Unternehmen
Der Bericht untersucht nicht nur, wie Unternehmen ihre Gewinne verteilen. Er zeigt auch, wie sich bestehende Ungleichheiten innerhalb von Unternehmen fortsetzen. So verdienen Frauen in den untersuchten Unternehmen durchschnittlich 10,7 Prozent weniger als Männer. Gleichzeitig werden nur 10% der höchsten Führungspositionen von Frauen besetzt. Zwar haben viele Unternehmen Gleichstellungsziele verabschiedet, doch die Umsetzung bleiben begrenzt. Auch die Mitbestimmung nimmt ab: Der Anteil von Arbeitnehmervertretungen in Unternehmensgremien sank zwischen 2022 und 2024 von 32,4 auf 30,3 Prozent. Gleichzeitig legen nur 18 Prozent der Unternehmen offen, wie viel Geld sie für politische Einflussnahme und Lobbying ausgeben.
Schweiz als zentraler Konzernstandort
Die Schweiz spielt in diesem System eine wichtige Rolle. Zu den untersuchten Unternehmen gehören neun Konzerne mit Hauptsitz hier: Chubb, Coop, Glencore, Nestlé, Novartis, Roche, Swiss Re, UBS und Zurich Insurance.
- Im Vergleich zu den untersuchten Konzernen zahlen Schweizer Grossunternehmen deutlich höhere CEO‑Vergütungen: 2024 lag der Durchschnitt bei rund 8,3 Millionen Euro, gegenüber knapp 6 Millionen Euro im europäischen Schnitt.
Auch bei der Gewinnverteilung zeigen sich deutliche Unterschiede: Im europäischen Schnitt liegt die Ausschüttungsquote 2024 bei rund 83 Prozent, bei vier der neun untersuchten Schweizer Unternehmen jedoch über 100 Prozent – darunter Nestlé, Novartis, Swiss Re und Zurich Insurance.
Für globale Konzerne ist die Schweiz ein zentraler Standort – begünstigt durch attraktive Steuerbedingungen und vergleichsweise schwachen Vorgaben bei Transparenz und Unternehmensverantwortung. So gibt es heute kein öffentliches Country-by-Country Reporting. Dadurch bleibt weitgehend unsichtbar, wo Unternehmen ihre Gewinne erzielen und wo sie Steuern bezahlen. Zwar wird in der EU derzeit intensiv über Transparenz- und Unternehmensregeln diskutiert, doch es gibt bereits verbindliche Vorgaben. In der Schweiz setzt man in zentralen Bereichen weiterhin vor allem auf freiwillige Massnahmen.
So misst Oxfam Unternehmens-Ungleichheit
Der Report basiert auf dem von Oxfam entwickelten Corporate Inequality Framework (CIF). Analysiert wurden die 100 umsatzstärksten Unternehmen Europas auf Grundlage der Fortune-500-Europe-Liste.
Die Unternehmen wurden anhand von 50 Indikatoren in vier Bereichen untersucht:
- Menschen: Löhne, Gleichstellung und Arbeitsbedingungen
- Macht: Mitbestimmung, Unternehmensführung und politischer Einfluss
- Profit: Gewinnverteilung, CEO-Vergütung und Ausschüttungen an Aktionär*innen
- Planet: Klimawirkung und Investitionen in die ökologische Transformation.
Ziel ist es, sichtbar zu machen, wie Unternehmen zur Verringerung oder Verschärfung von Ungleichheit beitragen.
Solidar Suisse ist Partnerin von Oxfam für Ungleichheitsanalysen in der Schweiz und hat die Ergebnisse für den Schweizer Kontext aufbereitet.
Ungleichheit ist kein Zufall
Der Bericht zeigt: Die heutige Verteilung von Wohlstand, Chancen und wirtschaftlicher Macht entsteht nicht zufällig. Sie wird durch politische und wirtschaftliche Entscheidungen geprägt. Wer Ungleichheit reduzieren will, muss deshalb auch die Regeln ändern, nach denen Unternehmen wirtschaften.
Solidar Suisse fordert deshalb:
- verbindliche Regeln für die Konzernverantwortung und den Schutz von Menschenrechten entlang globaler Lieferketten;
- ein öffentliches Country-by-Country-Reporting, damit Gewinnverschiebungen und Steuervermeidung sichtbar werden;
- mehr Transparenz über Lobbying und politische Einflussnahme von Unternehmen;
- stärkere Rahmenbedingungen, damit Unternehmen fairere Löhne zahlen und ausreichend in die ökologische Transformation investieren.
Ungleichheit ist kein Naturgesetz. Sie kann durch politische Entscheidungen auch wieder verringert werden.
Der neue Oxfam Report
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