Beitragsinformationen

Im Norden Pakistans bündeln die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) und Solidar Suisse ihre Kompetenzen in einem gemeinsamen Projekt: Traditionelle Wohnhäuser sollen besser gegen Erdbeben geschützt werden. Igor Tomić, Wissenschaftler und Projektleiter der EPFL, gibt Einblick in die angewandten Methoden, zeigt auf, weshalb Prävention entscheidend ist, und erklärt, was die Zusammenarbeit mit einer NGO ermöglicht.

Erfahren Sie im Video mehr über das Projekt: Igor Tomić erklärt die Hintergründe.

Welche Rolle spielen die lokalen Gemeinschaften im Projekt?

Die lokalen Gemeinschaften stehen im Zentrum des Projekts. Bei Feldbesuchen, Interviews und Workshops tauschen wir uns mit verschiedenen Menschen aus den Gemeinschaften aus: mit Hauseigentümerinnen, Maurern, Zimmerleuten, lokalen Verantwortungsträger:innen sowie Frauen und Männern unterschiedlicher Altersgruppen. Die Lösung muss aus den Gemeinschaften selbst kommen – nur dann wird sie von den Menschen vor Ort auch getragen. Wir wollen ihre Bedürfnisse, Einschränkungen und Präferenzen verstehen und ergänzen die lokal identifizierten Methoden anschliessend mit einer «wissenschaftlichen Perspektive».
In mehreren Dörfern haben wir beispielsweise bemerkenswerte Bautechniken entdeckt, insbesondere Mauerwerk, das mit Holzelementen verstärkt ist. Diese Gebäude sind nicht nur ästhetisch und von hohem kulturellem Wert, sondern weisen auch interessante Eigenschaften hinsichtlich ihrer Erdbebenresistenz auf. Sie zeigen, dass die lokale Bevölkerung bereits Praktiken entwickelt hat, um sich an Naturkatastrophen anzupassen. Das Projekt baut auf diesem vorhandenen Wissen auf und stärkt es durch innovative wissenschaftliche Methoden.

Worin besteht diese «wissenschaftliche Perspektive»?

Für uns, die wir an Schweizer Hochschulen und NGOs arbeiten, ist dies eine besondere Gelegenheit, Forschung in den Dienst des Handelns zu stellen. Zugleich tragen wir eine gemeinsame Verantwortung: langfristig zu denken und stärker in Prävention zu investieren. Sobald die lokalen Bedürfnisse und Praktiken identifiziert sind, nutzen wir wissenschaftliche Methoden, um die Wirksamkeit verschiedener Techniken zu bewerten.

An der EPFL und in den Laboren unserer Partner in Pakistan führen wir Versuche in Originalgrösse an Mauern oder Gebäuden durch. Dabei setzen wir sie Kräften aus, die jenen eines Erdbebens ähneln, um ihr Verhalten zu untersuchen. Wir analysieren insbesondere ihre Festigkeit, Steifigkeit und ihre Fähigkeit, sich zu verformen, ohne einzustürzen. Diese Daten erlauben es uns, die unterschiedlichen Bautechniken objektiv zu vergleichen.
Physikalische Versuche sind eine wesentliche Grundlage, aber sie sind kostspielig und zeitaufwendig. Deshalb ergänzen wir sie durch numerische Simulationen: Die Ergebnisse der Versuche helfen uns, unsere Computermodelle zu kalibrieren. Anschliessend führen wir Tausende weitere Simulationen durch. So können wir die wirksamsten Lösungen unter unterschiedlichsten Bedingungen ermitteln.

Ein Wohnhaus in Pakistan, verstärkt mit Holzelementen.

Austausch mit lokalen Gemeinschaften.

Einblick in die Tests in den Laboren der EPFL.

Was bedeutet dieses Projekt für Sie persönlich?

Für mich verbindet dieses Projekt zwei Leidenschaften: Erdbebeningenieurwesen sowie das Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen und Orte weltweit. Es ist zudem eine besondere Gelegenheit, Forschung in konkrete Wirkung zu übersetzen. Wer im Bereich der Katastrophenprävention arbeitet, handelt langfristig. Die positiven Auswirkungen können über Jahrzehnte spürbar sein und dazu beitragen, Leben zu schützen. Das motiviert mich sehr.

Indem wissenschaftliche Forschung, Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten und die Beteiligung der Bevölkerung zusammengebracht werden, lassen sich nachhaltige Lösungen für künftige Katastrophen entwickeln.

Für eine nachhaltige Zukunft handeln

Sich gemeinsam mit Solidar Suisse zu engagieren bedeutet, Projekte mit langfristiger Wirkung zu unterstützen – gemeinsam mit den betroffenen Gemeinschaften.

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