Jahresbericht 2020

Kraftvoll dranbleiben

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Effektive Reaktion auf die Corona-Pandemie in Bolivien

Martin Pérez, Solidar-Koordinator in Bolivien, Ana Kudelka vom Projekt für ein Leben ohne Gewalt, und Ricardo Montesinos vom Programm für einen besseren Service public in den Gemeinden erzählen, wie sie der Pandemie begegnen.

Bolivien wurde hart von der Corona-Pandemie getroffen. Wie hat Solidar Suisse darauf reagiert?
Martin Pérez: Als Erstes mussten wir unsere Methoden verändern. Die Arbeit mit Gemeinden war plötzlich nur noch digital möglich statt im persönlichen Kontakt. Covid-19 verschärfte die Probleme, auf die unsere Projekte reagieren: Jugendliche verloren durch die Pandemie ihre frisch aufgebaute Existenz, und Frauen waren noch mehr Gewalt ausgesetzt. Ausserdem brauchte es neue Initiativen – z. B. um unsere Partnerorganisationen mit Schutzmaterial zu versorgen.
Ana Kudelka: Die Beratungsstellen für Opfer von Gewalt (SLIM) stellten auf telefonische Beratung um, und wir richteten eine Hotline ein. Von Gewalt betroffene Frauen mussten trotz Quarantäne ins Frauenhaus gebracht werden. Also erschlossen wir neue Kanäle: Über ein nationales Whatsapp-Netzwerk konnten fast 300 Institutionen, die sich gegen Gewalt an Frauen einsetzen, gemeinsam Lösungen suchen – z.B. um die Frauen ins Frauenhaus zu transportieren und dort Schutzmassnahmen zu installieren. Wir erstellten einen Leitfaden mit der Notfallnummer und Tipps, wie die Nachbar*innen informiert werden können, wenn Frauen in Gefahr sind, aber nicht in der Lage, das Haus zu verlassen.
Ricardo Montesinos: Unser virtueller Werkzeugkasten für den digitalen Schulunterricht war sehr beliebt: Er wurde mehr als 22’000 Mal heruntergeladen und von manchen Behörden für Online-Kurse für das Lehrpersonal übernommen. Mit einem Wettbewerb zur Programmierung einer App bezogen wir Jugendliche in die Schaffung der digitalen Gemeinde ein. Ausserdem berieten wir im Umgang mit der Pandemie und verteilten Schutzmaterial.

Existenz für Jugendliche

Melissa Peña in ihrem kleinen Nähatelier, in dem sie seit 2018 Röcke herstellt – während der Pandemie näht sie auch Schutzmasken.

70 Prozent der Menschen in Bolivien sind informell tätig, ohne soziale Absicherung und Ersparnisse. Wie überlebten sie im Lockdown?
Pérez: Eine halbe Million Menschen stand ohne Einkünfte da, sieben von zehn Hausangestellten verloren ihre Stelle. Die Gemeinden verteilten Gutscheine, aber das war ein Tropfen auf den heissen Stein. Wir unterstützten Jugendliche, damit sie ihre kleinen Unternehmen nicht wieder schliessen mussten, und informierten Hausangestellte über ihre Rechte, damit sie ihnen zustehende Sozialleistungen einfordern konnten. Covid-19 hat eine verheerende Wirkung auf die Ökonomie und die Gesundheit und verstärkt das strukturelle Problem, dass viele Menschen informell ohne soziale Absicherung arbeiten.

Gibt es auch positive Effekte der Pandemie?
Kudelka: Die Koordination zwischen den Institutionen wird die Pandemie überdauern, ebenso wie die Akzeptanz digitaler Medien: Auch indigene Frauen haben die Angst davor verloren. Doch die unbezahlte Arbeit ist speziell für Frauen enorm gestiegen, da die Rollenverteilung immer noch die alte ist.
Pérez: Die virtuelle Uni kann für Leute auf dem Land auch zugänglicher sein. Aber unsere Arbeit basiert auf Vertrauen: Um es aufzubauen, braucht es den direkten Kontakt. Positiv könnte sein, dass die Pandemie ein Bewusstsein hinterlässt, was wirklich wichtig ist für die Entwicklung von Bolivien: ein würdiges Leben ohne Gewalt mit Zugang zu Gesundheit und Bildung.

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