Regeln sind gut, Kontrollen besser

Beitragsinformationen

Heute findet die Auslosung für die Fussball-Weltmeisterschaft in Qatar statt. Auch ein halbes Jahr vor dem Anpfiff der WM ist die Vorfreude auf das Turnier getrübt, denn die Menschenrechtsbilanz der Stadionbauten im Wüstenstaat ist einmal mehr katastrophal. Tausende Arbeiter*innen wurden auf den WM-Baustellen ausgebeutet oder haben gar ihr Leben verloren. Qatar und das Fifa WM-Organisationskomittee sind dazu aufgefordert, ihre menschenrechtliche Verantwortung endlich umfassend wahrzunehmen.

Seit 2010 haben Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und Medien immer wieder die Menschenrechtsverletzungen in Qatar dokumentiert. Im Fokus standen dabei oft die Wanderarbeiter*innen, die unter Lohndiebstahl, hohen Rekrutierungsgebühren oder der Beschlagnahmung von Reisepässen litten und ihre Suche nach einem besseren Leben im schlimmsten Fall mit dem Tod bezahlten. Die Berichte fokussieren auf den Staat Qatar und die Fifa als Ausrichterin der WM 2022 als Verantwortliche für die desaströsen Zustände. Zwar hat Qatar mehrere Reformen wie die Abschaffung des Kafala-Systems, das Arbeitnehmenden aus dem Ausland praktisch alle Rechte nimmt, eingeführt und auch die Fifa hat mit Verhandlungen hinter den Kulissen dazu beigetragen. Die Bilanz der Menschenrechtsorganisationen und -experten ist dennoch ernüchternd. Ihre Botschaften an die Fifa und Qatar gehen alle in dieselbe Richtung: Reformen allein reichen nicht, es braucht unabhängige Kontrollen – und zwar auf allen Ebenen.

Amnesty International fordert angemessene Entschädigungen

Die Gewerkschaft Bau- und Holzarbeiter Internationale (BWI) begrüsst in einem Offenen Brief die Fortschritte Qatars in den letzten Jahren.  Doch sie macht auch deutlich, dass die bisherigen Errungenschaften im Arbeiterschutz fragil sind und der Einsatz der Fifa gefordert ist. Vom qatarischen Staat fordert sie die Einrichtung eines «Zentrums für Arbeitsmigranten», das Arbeitnehmer*innen und ihre Vertreter dabei unterstützen soll, ihre Rechte zu verteidigen.

Gemäss den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte ist bei Menschenrechtsverletzungen eine Wiedergutmachung für die Geschädigten vorgesehen. Darauf beruht die Forderung von Amnesty International: «Die FIFA und Katar müssen einen soliden Aktionsplan aufstellen, um sicherzustellen, dass Arbeitsmigrant*innen in allen mit der Weltmeisterschaft verbundenen Sektoren angemessen bezahlt und fair behandelt werden und nicht der Willkür ausbeuterischer Arbeitgeber*innen ausgeliefert sind. Insbesondere trägt die FIFA die Verantwortung dafür, dass für alle Schäden, die Arbeitnehmende im Rahmen der bisherigen WM-Projekte erlitten haben, in Zusammenarbeit mit den katarischen Behörden und anderen relevanten Interessengruppen angemessene Abhilfe durch Rechtshilfe und Entschädigungen geschaffen wird».

unser Video zur WM 2018 in Russland ist leider immer noch aktuell:

Künstlerische Protestaktion vor dem Fifa-Hauptsitz in Zürich am Tag der Gruppenauslosung der WM in Qatar.

Die Fifa und Menschenrechte

Solidar Suisse arbeitete zwischen 2010 und 2018 sehr aktiv auf dem Thema faire Weltmeisterschaften und hat sich für die Rechte von Arbeitnehmer*innen in den Austragungsländern Südafrika, Brasilien und Russland eingesetzt. Wir haben die Fifa in zahlreichen Kampagnen dazu aufgefordert, für die Einhaltung der Menschenrechte vor und während der Weltmeisterschaften zu sorgen. Heute unterstützen wir andere Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften, die aktiv an diesem Ziel arbeiten.

Mehr dazu

Beitragsinformationen

Zurück nach oben