Die Schattenseiten der digitalen Bequemlichkeit
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Astika Andriani · 0 Kommentare
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Weltweit treiben Technologieunternehmen die Automatisierung voran – Digitalisierung und KI erleichtern vielen das Leben, schaffen aber auch neue Formen der Ausbeutung und verbrauchen enorme Mengen an Ressourcen.
Die Menschen hinter der KI
Während KI den einen die Arbeit erleichtert, werden andere dafür ausgebeutet. Algorithmen müssen mit riesigen Datenmengen trainiert werden – dafür braucht es nach wie vor menschliche Arbeit: Inhalte sortieren, kennzeichnen, taggen, bereinigen, transkribieren und Daten verarbeiten. Dies ist die Grundlage, damit KI-Systeme Muster erkennen und Vorhersagen treffen können. Technologieunternehmen wie Meta, Google, OpenAI und Microsoft lagern diese Arbeit an schlecht bezahlte Arbeiter*innen in den Philippinen, Kenia, Indien, Kolumbien und vielen anderen Ländern aus. KI-Trainer*innen arbeiten unter miserablen Bedingungen und Ausbeutung, manchmal auch in Flüchtlingslagern und Gefängnissen. Sie müssen bis zu 20 Stunden am Tag auch gewaltvolle Inhalte wie Morde oder sexuellen Missbrauch überprüfen. Die Folgen sind Depressionen, Panikattacken und posttraumatische Belastungsstörungen.
Die Arbeit als Content-Moderatorin geht mit Isolation, Ausbeutung und psychischen Problemen einher.
Gigantischer Strom- und Wasserverbrauch
Und nicht zuletzt verschlingt die Verarbeitung unserer Millionen von Anfragen riesige Mengen an Elektrizität und Ressourcen. So benötigen KI-spezifische Server in US-Datenzentren so viel Strom wie 7,2 Millionen US-Haushalte. Schätzungen zufolge verbraucht KI für die Beantwortung eines Dutzends Fragen, inklusive Generierung von Bildern und Videos, etwa so viel Energie wie drei Stunden Mikrowelle. Datenzentren werden bis 2030 voraussichtlich 945 Terawattstunden Strom benötigen, was den aktuellen Stromverbrauch von Deutschland und Frankreich übertrifft. Und sie brauchen riesige Mengen Wasser für die Kühlung. Es wird erwartet, dass bis 2030 der Wasserverbrauch globaler Datenzentren 1700 Milliarden Liter pro Tag erreicht – das entspricht dem täglichen Verbrauch von Millionen Menschen.
Neue Widerstandsformen
Doch es gibt auch Widerstand: Unterstützt von Solidar Suisse haben Plattformarbeiter* innen aus Indonesien ein Buch mit Geschichten aus ihrem täglichen Überlebenskampf im App-Fahrdienst veröffentlicht. Sie erzählen von hohen Abzügen der Plattformbetreibenden, von Ohnmacht gegenüber dem Algorithmus, aber auch vom Erfolg neuer Protestformen: Um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, schalten eine grosse Zahl von Plattformarbeiter* innen gleichzeitig ihre App aus – sodass alle aktuellen Aufträge nicht ausgeführt werden. Reni Sondari, die Führerin einer Gig-Arbeiter* innen-Gewerkschaft, berichtet vom erfolgreichen Kampf für die Zurücknahme unfairer Kündigungen und die Entschädigung von arbeitsbedingten Unfällen. Eine andere Gewerkschaft hat nach einem Jahr Proteste, Dialog und Verhandlungen mit den Behörden erreicht, dass mehr als 700 Plattformarbeiter* innen in einen speziellen Sozialversicherungsplan aufgenommen wurden. «Deshalb ist Solidarität das Wichtigste für uns», sagt Reni Sondari. «Denn während die Plattformunternehmen viel Kapital haben, haben wir Arbeiter*innen nur die Solidarität.»
Unser Magazin Soli
Die digitale Transformation eröffnet neue Chancen, gleichzeitig droht Plattformarbeit faire Arbeitsbedingungen auszuhöhlen. KI erleichtert unsere Arbeit, birgt aber grosse Risiken: Die Programmierung mit Daten aus dem Norden prägt Algorithmen einseitig, Tech-Giganten kontrollieren Infrastruktur und Inhalte, der ökologische Fussabdruck ist enorm. Zudem werden Arbeiter*innen im Süden für das Training der Sprachmodelle ausgebeutet. Es braucht Rahmenbedingungen, um einen menschenrechtsbasierten Umgang mit der Technologie zu garantieren und die digitale Kluft zu schliessen.
Erfahren Sie in der neuen Soli, wie Solidar Suisse sich für digitale Gerechtigkeit engagiert.
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Astika Andriani
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