Die Schweiz trägt überdurchschnittlich zur Klimakrise bei, kann sich aber deutlich besser vor ihren Folgen schützen als viele andere Länder. Neue Daten zu Privatjets, Emissionen und fossilen Investitionen zeigen diese Ungleichheit deutlich. Deshalb lanciert Solidar Suisse den Appell «Make Polluters Pay».

In der Schweiz starteten 2025 pro Kopf 5,5-mal mehr Privatjets als in Deutschland. Damit gehört die Schweiz pro Kopf zur europäischen Spitze. Gleichzeitig verursachen die reichsten 0,1 Prozent der Schweizer Bevölkerung 26-mal mehr CO₂-Emissionen als die ärmere Hälfte. Die neuen Schweizer Auswertungen von Solidar Suisse zum Oxfam-Bericht Disaster Divide zeigen dieses Klimaprivileg deutlich. Dank Wohlstand, Infrastruktur, Versicherungen und staatlicher Kapazitäten kann die Schweiz die Folgen der Klimakrise deutlich besser bewältigen als viele andere Länder. Gleichzeitig tragen hohe konsumbezogene Emissionen, grosse Vermögen sowie der bedeutende Finanz- und Rohstoffhandelsplatz Schweiz überdurchschnittlich zur Erderwärmung bei.

Eine Krise mit extrem ungleich verteilter Verantwortung 

Der neue Oxfam-Bericht zeigt, wie eng Klimakrise und Ungleichheit zusammenhängen. Das reichste Prozent der Weltbevölkerung ist für rund 20 Prozent der globalen Erwärmung seit 1990 verantwortlich. Eine Person aus dieser Gruppe trägt 34-mal stärker zu heutigen Hitzeextremen bei als der globale Durchschnitt und mehr als hundertmal stärker als jemand aus der ärmeren Hälfte der Menschheit.

Privatjets stehen exemplarisch für diese Ungleichheit: Weltweit stossen sie in nur zwei Sekunden mehr CO₂ aus, als eine Person aus der ärmsten Hälfte der Weltbevölkerung in einem ganzen Jahr verursacht. «Wer am stärksten zur Klimakrise beiträgt, kann sich meist auch am besten vor ihren Folgen schützen. Diese Ungleichheit ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen», sagt Susanne Rudolf, Kampagnenleiterin bei Solidar Suisse.

Die Schweiz trägt Verantwortung weit über ihre Grenzen hinaus 

Die Verantwortung der Schweiz endet nicht bei den Emissionen innerhalb ihrer Landesgrenzen. Über den Finanzplatz und den internationalen Rohstoffhandel ist sie eng mit Geschäftsmodellen verbunden, die die Klimakrise antreiben. Schweizer Finanzinstitutionen halten oder verwalten Wertschriften von Kohle-, Öl- und Gasunternehmen im Umfang von rund 126,9 Milliarden US-Dollar. Rund 94 Prozent dieser Anlagen entfallen auf Unternehmen, die weiterhin neue fossile Reserven oder Infrastruktur erschliessen. Mit rund 71,7 Milliarden US-Dollar entfällt mehr als die Hälfte der erfassten Fossilanlagen auf die UBS.

Über Finanzplatz und Rohstoffhandel ist die Schweiz damit eng mit Geschäftsaktivitäten verbunden, die weltweit erhebliche Emissionen verursachen. Der Oxfam-Bericht zeigt zudem, wie Investorinnen und Investoren doppelt profitieren können: von Unternehmen, die die Klimakrise befeuern, und von Firmen, die an Katastrophenvorsorge, Wiederaufbau und Aufräumarbeiten verdienen.

Solidar Suisse lanciert Appell an den Bundesrat 

Für Solidar Suisse ziehen die neuen Daten eine klare politische Konsequenz nach sich: Wer überdurchschnittlich zur Klimakrise beiträgt oder von emissionsintensiven Geschäftsmodellen profitiert, muss einen entsprechend grösseren Beitrag zu ihrer Bewältigung leisten. Mit dem Appell «Make Polluters Pay» fordert Solidar Suisse den Bundesrat deshalb auf, das Verursacherprinzip konsequent anzuwenden. Besonders grosse Verschmutzer und Profiteure der Klimakrise sollen stärker zur Finanzierung ihrer Folgen beitragen.

Konkret fordert Solidar Suisse: 

  • sehr hohe Emissionen und besonders klimaschädliche Luxusaktivitäten stärker zu besteuern und wirksam zu reduzieren;
  • Unternehmen und Finanzakteure zu verpflichten, ihre Emissionen und fossilen Investitionen offenzulegen und verbindlich zu senken;
  • zusätzliche öffentliche Mittel für Klimaanpassung sowie für klimabedingte Verluste und Schäden bereitzustellen;
  • Profite aus Klimakatastrophen und Krisen konsequent zu begrenzen und übermässige Gewinne stärker abzuschöpfen.

«Der Bericht bestätigt, was wir in unserer Arbeit täglich sehen: Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, tragen ihre schwersten Folgen. Sie brauchen Unterstützung, um ihre Lebensgrundlagen zu sichern. Hilfe allein reicht aber nicht. Die Schweiz muss ihren Einfluss nutzen und die Hauptverursacher der Klimakrise stärker in die Verantwortung nehmen», sagt Susanne Rudolf.

Hinweise für die Redaktion

  • Die Schweizer Analyse «Das Schweizer Klimaprivileg» ergänzt den Oxfam-Bericht mit Schweizer Daten.
  • Der Oxfam-Bericht «Disaster Divide: How climate chaos deepens inequality and enriches the few» und die Methodik stehen mit Einhalten des Embargos zur Verfügung.

Für Interviewanfragen

Susanne Rudolf, Kampagnenleiterin Solidar Suisse
susanne.rudolf@solidar.ch | 044 444 19 17

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