Das Schweizer Klimaprivileg
Wie Klimakrise und Ungleichheit einander verstärken
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Autor
Susanne Rudolf
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Die Klimakrise trifft nicht alle gleich. Die Schweiz trägt mit hohen Emissionen, fossilen Investitionen und ihrem Rohstoffhandel erheblich zu ihr bei. Gleichzeitig verfügt sie über Wohlstand, Infrastruktur und Versicherungen, die viele ihrer Folgen abfedern können. Menschen in ärmeren Ländern fehlt dieser Schutz oft. Der neue Oxfam-Bericht «Disaster Divide», ergänzt um Schweizer Zahlen von Solidar Suisse, zeigt, wie die Klimakrise bestehende Ungleichheiten verschärft und weshalb die Hauptverursacher stärker für ihre Folgen aufkommen müssen.
Das Schweizer Klimaprivileg: hohe Emissionen, hoher Schutz
In der Schweiz starten durchschnittlich 87 Privatjets pro Tag. Pro Kopf sind es 5,5-mal mehr Privatjet-Abflüge als in Deutschland. Gleichzeitig verursacht das reichste 0,1 Prozent der Bevölkerung pro Person 26-mal mehr CO₂ als die ärmere Hälfte. Auch über ihren Finanzplatz trägt die Schweiz zur Klimakrise bei: Schweizer Finanzinstitutionen halten rund 126,9 Milliarden US-Dollar an Anlagen in Unternehmen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie. Zudem haben einige der weltweit grössten Rohstoffhändler ihren Sitz in der Schweiz.
Ganz schutzlos ist auch die Schweiz gegenüber der Klimakrise nicht: Rund 30 Prozent der Bevölkerung leben in Gebieten, die mindestens einem relevanten Klimarisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören insbesondere Hochwasser und landwirtschaftliche Dürren. Doch dank Wohlstand, stabiler Infrastruktur, Versicherungen und sozialer Sicherung kann die Schweiz viele Schäden besser begrenzen und bewältigen als ärmere Länder.
Genau darin besteht das Schweizer Klimaprivileg: Die Schweiz trägt erheblich zur Klimakrise bei, verfügt aber gleichzeitig über besonders grosse Möglichkeiten, ihre Folgen abzufedern. Millionen Menschen weltweit haben diesen Schutz nicht. Für sie können Dürren, Überschwemmungen oder Ernteausfälle den Verlust ihrer Wohnung, ihres Einkommens oder ihrer gesamten Lebensgrundlage bedeuten.
Was der Oxfam-Bericht weltweit zeigt
Das Schweizer Klimaprivileg ist kein Einzelfall. Weltweit zeigt sich derselbe Zusammenhang: Wer am meisten zur Klimakrise beiträgt, verfügt oft auch über die besten Möglichkeiten, sich vor ihren Folgen zu schützen. Der neue Oxfam-Bericht «Disaster Divide» untersucht genau diese Ungleichheit. Er zeigt nicht nur, wer wie viel zur Erderwärmung beiträgt, sondern auch, wer besonders stark von Dürren, Überschwemmungen, Hitzewellen und steigenden Lebensmittelpreisen betroffen ist. Und er fragt, wer über die Mittel verfügt, Schäden zu vermeiden oder sich nach einer Katastrophe wieder zu erholen.
Die Hauptverursacher stossen unverhältnismässig viel CO₂ aus
Climateflation: Wenn die Klimakrise den Alltag verteuert
Dürren, Überschwemmungen und extreme Hitze führen zu Ernteausfällen und steigenden Lebensmittelpreisen. Diese sogenannte Climateflation trifft Haushalte sehr unterschiedlich. In der Schweiz entfallen durchschnittlich rund neun Prozent der Konsumausgaben auf Lebensmittel. In zahlreichen Ländern des Globalen Südens liegt dieser Anteil bei über 40 oder sogar 50 Prozent. Dieselbe Preissteigerung kann deshalb völlig unterschiedliche Folgen haben: Während Haushalte in der Schweiz andere Ausgaben reduzieren oder auf Ersparnisse zurückgreifen können, müssen ärmere Familien Mahlzeiten auslassen, Land oder Arbeitsgeräte verkaufen und bei Gesundheitsversorgung oder Bildung sparen. Die Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, geraten dadurch noch tiefer in Armut.
Wer an der Klimakrise verdient
Während Millionen Menschen durch Klimakatastrophen ihre Lebensgrundlagen verlieren, entstehen für Unternehmen und Investoren neue Märkte. Dazu gehören Katastrophenschutz, Wiederaufbau und Klimaanpassung, aber auch Gewinne durch steigende Lebensmittel- und Rohstoffpreise. Oxfam zeigt, dass teilweise dieselben Investoren sowohl an emissionsintensiven Geschäftsmodellen als auch an der Bewältigung ihrer Folgen beteiligt sind. BlackRock und Vanguard halten Beteiligungen an 92 Prozent der 217 Unternehmen, die Oxfam im sogenannten «Destroy and Rebuild Index» zusammenfasst. Der Bericht spricht von einer doppelten Dividende: Investoren profitieren von Geschäften, die die Klimakrise antreiben, und zugleich von den Märkten, die durch ihre Folgen entstehen. Das zeigt: Die ungleiche Verteilung von Klimaschäden ist nicht nur eine Folge des Wetters. Sie wird auch durch Eigentumsverhältnisse, Marktmacht und politische Entscheidungen geprägt.
Unsere Forderung: Wer die Krise verursacht, soll zahlen
Die Klimakrise trifft Menschen, die am wenigsten zu ihr beigetragen haben, besonders hart. Gleichzeitig verfügen die grössten Verursacher über die besten Möglichkeiten, sich vor ihren Folgen zu schützen. Das ist ungerecht.
Solidar Suisse fordert den Bundesrat deshalb auf, das Verursacherprinzip konsequent anzuwenden: Wer überdurchschnittlich zur Klimakrise beiträgt oder von klimaschädlichen Geschäftsmodellen profitiert, muss auch einen entsprechend grösseren Beitrag zu ihrer Bewältigung leisten.
Konkret soll der Bundesrat:
- Gewinne aus fossilen und besonders klimaschädlichen Geschäften stärker besteuern;
- zusätzliche Mittel für Klimaanpassung sowie klimabedingte Schäden und Verluste bereitstellen;
- klimaschädliche Investitionen und Geschäftsmodelle konsequenter regulieren.
Menschen mit tiefen Einkommen dürfen nicht für eine Krise bezahlen, die sie nicht verursacht haben. Die zusätzlichen Mittel müssen den Menschen und Gemeinschaften zugutekommen, die besonders stark unter der Klimakrise leiden.
Die Schweiz trägt Verantwortung. Jetzt handeln.
Jetzt den Appell an den Bundesrat unterschreiben
Die Klimakrise verschärft weltweit Armut und Ungleichheit. Fordern Sie mit uns, dass die grössten Verursacher und Profiteure stärker für die Folgen aufkommen. Gemeinsam erhöhen wir den Druck auf den Bundesrat, Verantwortung zu übernehmen und eine gerechte Klimapolitik mitzufinanzieren.
Jetzt unterschreibenVertiefung und Quellen
Der neue Oxfam-Bericht «Disaster Divide» beleuchtet die globalen Zusammenhänge zwischen Klimakrise und Ungleichheit. Solidar Suisse hat die wichtigsten Ergebnisse für die Schweiz ausgewertet und mit Schweizer Daten ergänzt. Hier finden Sie die vollständige Schweizer Analyse sowie den internationalen Oxfam-Bericht:
⬇️ Schweizer Analyse von Solidar Suisse
⬇️ Oxfam-Report «Disaster Divide»
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Susanne Rudolf