USAID-Kürzungen: Wie ein Programm halbiert wurde
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Melanie Wirz · 0 Kommentare
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Mit dem abrupten Stopp grosser Teile der US-Entwicklungsfinanzierung im Jahr 2025 brachen weltweit Projekte weg – auch bei Solidar Suisse in Asien. Innerhalb kurzer Zeit ging rund die Hälfte des Programms verloren. Was folgte, sind Einschnitte, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind.
Das Schreiben von US-Aussenminister Marco Rubio verlangte einen sofortigen Arbeitsstopp in den von USAID mitfinanzierten Projekten. Für viele Partnerorganisationen kam der Entscheid so unerwartet, dass sie ihn zunächst nicht glaubten – auch grössere Organisationen nicht. Bis heute verhandelt Solidar Suisse mit mehreren Partnern über offene Beträge, weil diese nach dem abrupten Stopp weiter Geld für den Abschluss der Projektaktivitäten und Personal ausgaben – was ursprünglich über USAID finanziert worden wäre. In Washington herrschte lange Funkstille; erst im Juni 2026 meldete sich USAID mit einer neuen Kontaktperson zurück. Ob und wie viel Geld zurückerstattet wird, ist weiterhin offen. Solidar Suisse und die Projektpartner haben mindestens die Erstattung der Kosten bis Ende Mai 2025 für den ordentlichen Projektabschluss einschliesslich der finalen Berichterstattung eingefordert.
Ein Beispiel aus der Praxis
Was diese Kürzungen vor Ort bedeuten, zeigt sich etwa bei einem Kollektiv von Fahrer*innen aus der Plattform-Ökonomie. Sie hatten sich zu einer Solidargemeinschaft zusammengeschlossen, in die alle regelmässig einzahlten – wer einen Unfall hatte, wurde daraus unterstützt. Ein einfaches, wirkungsvolles System sozialer Absicherung, entstanden aus Organisierungsarbeit, die durch das Projekt GLP-POWER gefördert wurde. «Es ist nicht alles weg, weil die Leute sich ja selbst organisieren und die Strukturen weitertragen können», sagt Anja Ibkendanz, «aber eben nicht mehr in diesem Ausmass, weil das Geld nicht mehr da ist, um sich regelmässig mit anderen Solidargemeinschaften zu treffen, oder für Publikationen, um ihre Forderungen und Erfahrungen zu teilen.»
Auch der Zugang zu Informationen über Arbeitsrechte und soziale Absicherung ist grösstenteils weggebrochen – etwa über eine entwickelte App und Plattform sowie über Schulungen vor Ort. «Der Ausstieg dort ist viel zu früh passiert», so Ibkendanz. Auch Materialien eines Londoner Projektpartners zu neuen Arbeitsgesetzen für die sogenannte Gig-Economy in der Region stehen seither nicht mehr zur Verfügung. Besonders betroffen sind Menschen ohne formelle Arbeitsverträge, für die es – anders als in klassischen Industrien – oft keine gewerkschaftliche Vertretung gibt, weil nationale Gesetze das in vielen asiatischen Ländern gar nicht zulassen.
Vor allem Arbeiterinnen und Arbeiter im informellen Sektor, also ohne Absicherungen, treffen die Einschnitte hart.
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