Jahresrückblick 2023

2023 war für Solidar Suisse ein aufregendes, vielseitiges und intensives Jahr. Mit diesen Bildern blicken wir zurück auf die Highlights und Herausforderungen, die dieses Jahr unsere Arbeit prägten.

Januar: Kampf gegen Ungleichheit

Zum Start des Weltwirtschaftsforums WEF in Davos veröffentlichte die Organisation Oxfam ihre neue Studie zur weltweiten Ungleichheit. Der diesjährige Bericht zeigte auf, wie die Besteuerung der Reichen uns auf den Weg zu einer gerechteren, nachhaltigen Welt bringen könnte. Solidar Suisse veröffentlichte dazu die aktuellen Schweizer Zahlen: Das Vermögen der Schweizer Milliardär*innen hat sich seit Beginn der Pandemie bis November 2022 um mehr als die Hälfte (52 Prozent) erhöht. Die vier reichsten Schweizer Milliardär*innen verfügen über mehr Vermögen als die unteren 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Diese Zahlen zeigten uns direkt zu Jahresbeginn: Der Kampf gegen die krasse soziale Ungleichheit muss weitergehen. 

Februar: Erdbeben in der Türkei und Syrien

Am 6. Februar verursachten schwere Erdbeben im Südosten der Türkei und im Norden Syriens grosse Zerstörungen und unermessliches Leid. Es war die schlimmste Naturkatastrophe in der Region in den letzten 100 Jahren. Mehr als 50’000 Menschen verloren ihr Leben, 20 Millionen Menschen in der Türkei und 8,8 Millionen in Syrien waren betroffen. Solidar Suisse nahm umgehend Kontakt mit lokalen Partnerorganisationen auf, um humanitäre Hilfe zur Linderung der grössten Not bereitzustellen. Dabei konzentrierten wir uns vor allem auf benachteiligte Gruppen in abgelegenen Gebieten, wo die organisierte Hilfe nur schwer hinkam. Bis Ende Juni hatten wir 30218 Menschen mit humanitärer Soforthilfe erreicht. Nun sind wir dabei, ein Koordinierungsbüro in der Türkei zu eröffnen und haben gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort drei weitere Projekte realisiert: sanitäre Einrichtungen und kinderfreundliche Räume für die Roma-Gemeinschaften in der Türkei sowie die Instandsetzung von Unterkünften und öffentlicher Infrastruktur, Mehrzweck-Bargeldhilfe und Kinderschutzdienste im Nordwesten Syriens.

März: Auf die Strasse für Frauenrechte in El Salvador

Weltweit sind Frauen und Mädchen mit geschlechtsspezifischer Gewalt konfrontiert, haben schlechteren Zugang zu Bildung und Arbeitsstellen und werden gesellschaftlich benachteiligt. In El Salvador werden Frauen immer noch als minderwertig und untergeordnet angesehen. Sieben von zehn Frauen sind sexueller oder körperlicher Gewalt ausgesetzt, und alle 5,2 Tage wird eine Frau von einem Mann getötet. Zum internationalen Frauentag am 8. März 2023 organisierten mehrere Frauenorganisationen von Chalatenango, mit denen Solidar Suisse zusammenarbeitet, einen grossen Marsch, um ihren Forderungen lautstark Ausdruck zu verleihen. In ihrer täglichen Arbeit setzen sie sich für die Rechte von Frauen ein: Bis heute haben sie in diversen Gemeinden von Chalatenango dazu beigetragen, dass Frauen einen besseren Zugang zu Gesundheit, Bildung und Arbeit erhalten. Ausserdem unterstützen sie Gewaltopfer und bestärken Frauen darin, sich politisch einzumischen.

April: Arbeiter*innen in Asien schliessen sich zusammen

Motorradkurier*in in Bangkok bei der Auslieferung.
Motorradkurier*in in Bangkok bei der Auslieferung.

Seit Anfang Jahr haben sich 13’500 Arbeiterinnen und Arbeiter aus fünf Ländern in Süd-Asien und Süd-Ost-Asien, die in der informellen Wirtschaft tätig sind, auf der Plattform-App «Connect» registriert, um sich über ihre Arbeitsbedingungen auszutauschen und gemeinsam grössere Schlagkraft für ihre Forderungen nach Zugang zu Sozialabsicherung und einem fairen, menschenwürdigen Arbeitsumfeld zu erlangen. 
Sie arbeiten in der Landwirtschaft, der Fischerei, auf dem Bau, in Textilfabriken oder Gerbereien, als Lieferant*innen, im Transportgewerbe, in der GIG Economy. Durch die neue Connect-App, die Solidar zusammen mit Partnerorganisationen in Asien entwickelt hat, haben sie in verschiedenen Sprachen Zugang zu Informationen über ihre Rechte, über Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, zu Adressen von Anlaufstellen für psychologische Unterstützung und Rechtsberatung. Ausserdem lernen sie die Geschichten, Realitäten und Kämpfe von Arbeiter*innen in der informellen Wirtschaft in anderen Ländern und Sektoren kennen, die häufig mit sehr ähnlichen Herausforderungen kämpfen.  

Schenken Sie faire Arbeitsbedingungen

Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, die Arbeitsbedingungen von Millionen von Menschen zu verbessern.

Mai: Community Power in Moçambique

In den letzten Jahren wurde Moçambique immer wieder von tropischen Wirbelstürmen heimgesucht. Drei schwere Zyklone – Idai, Chalane und dieses Jahr noch Eloise – brachten im Zentrum des Landes Zerstörung und sintflutartige Regenschauer mit sich. Grosse Landesteile wurden innert kürzester Zeit überflutet. Mehrere Zehntausend Bewohner*innen der Städte Beira und Buzi und  ländlicher Regionen mussten evakuiert werden, auch in den Einsatzgebieten von Solidar Suisse. Nach den Überschwemmungen wegen Zyklon Eloise begleitete unser lokales Team die Umsiedlung eines ganzen Dorfes im Distrikt Sussundenga und baute in sicherer Entfernung vom Überschwemmungsgebiet eine neue Ansiedlung auf mit hundert Häusern, einer Primarschule, einem Wasserversorgungssystem, einem Gesundheitszentrum und einer Polizeistation. Die lokale Bevölkerung war direkt eingebunden. Unter Anleitung von Bauleitern und Maurern bauten sie ihre Häuser und die dazugehörige Infrastruktur selbst und hatten dadurch über Monate ein Einkommen. Vor allem Frauen waren in den Bautrupps zahlreich vertreten und trugen so zum Einkommen der Familie bei und stärkten ihre Rolle in der Gemeinde. 

Juni: Frauen in Guatemala erheben ihre Stimme

Am 14. Juni 2023 eroberte der feministische Streik die Strassen der Schweiz, um «Zeit, Respekt und Geld» zu fordern. Auch Solidar Suisse kämpft mit seinen Partnerorganisationen für die Frauenrechte auf der ganzen Welt. In Guatemala beispielsweise ist die Diskriminierung von indigenen Gemeinschaften weit verbreitet und Gewalt gegen Frauen tief in der Gesellschaft verankert. Unsere Partnerorganisation AGIMS (Association Grupo Integral de Mujeres Sanjuaneras) schult indigene Frauen über ihre Rechte, bietet ihnen medizinische Versorgung und beugt Gewalt durch Aufklärungsarbeit vor. AGIMS basiert auf der Solidarität und der Geschichte der Frauen, die ihr angehören. Einige von ihnen greifen auf ihre eigenen Erfahrungen zurück, um ihren Mitstreiterinnen zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Als die AGIMS-Koordinatorin Esperanza Tubac vom Frauenstreik in der Schweiz hörte, begrüsste sie die Demonstration: «Ich gratuliere unseren Schwestern, Freundinnen und Kolleginnen, dass sie für die Rechte der Frauen streiken, denn die Frauen müssen weiterhin ihre Stimme auf der ganzen Welt erheben.»

Juli: Carlo Sommaruga in Bolivien

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens von Solidar Suisse in Bolivien reiste Solidar-Präsident Carlo Sommaruga im Juli nach Bolivien, um sich ein Bild von der täglichen Arbeit und den nachhaltigen Auswirkungen auf die Gesellschaft zu machen. Die Projekte in Bolivien sind in 182 Gemeinden in den neun Departementen des Landes vertreten und behandeln Themen, die für die bolivianische Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind, wie der Zugang von Jugendlichen zu Erwerbstätigkeit, ein würdiges Leben ohne Gewalt für Frauen und die Reduzierung der Entwaldung, indem beispielsweise die nachhaltige Nutzung von Waldprodukten durch die lokalen Gemeinschaften gefördert wird. Vor Ort hat unser engagiertes Team, das ebenfalls mit der harten Realität konfrontiert ist, Carlo Sommaruga empfangen und herumgeführt. Er sagte dazu: «Es ist etwas Aussergewöhnliches, diese Menschen zu treffen, die mit einer positiven Energie und den gleichen Werten zusammenarbeiten, um sozialen Wandel in einem Raum mit vielen Herausforderungen zu begleiten.» Zum Video

August: Flutkatastrophe in Pakistan

Ende August jährten sich die verheerenden Überschwemmungen in Pakistan zum ersten Mal. Sintflutartige Regenfälle kosteten über 1700 Menschen das Leben und mehr als 33 Millionen Menschen verloren ihre Lebensgrundlage und waren auf Nothilfe angewiesen – das heisst 15 Prozent der pakistanischen Bevölkerung. Die Überschwemmungen zerstörten Ernten und führten zum Tod von Millionen von Nutztieren, viele Menschen mussten ihren Wohnort verlassen. Solidar Suisse leistete unmittelbar nach der Katastrophe Nothilfe. Bis heute tragen wir zum Wiederaufbau der Gemeinschaften und der Wiederherstellung der Lebensgrundlagen bei, damit die Betroffenen wieder von der Landwirtschaft leben können. Bei der Durchführung der Arbeiten wird die lokale Bevölkerung stark eingebunden, um sicherzustellen, dass ihre Bedürfnisse gedeckt werden.  

Schenken Sie humanitäre Unterstützung

Dank Ihnen können wir betroffene Menschen in Krisengebieten mit humanitärer Hilfe versorgen.

September: Stärkung der Resilienz in Burkina Faso

2023 war ein Jahr, in dem unsere Arbeit und unsere Mitarbeiter*innen in Burkina Faso erneut von der kritischen Sicherheitslage beeinflusst waren. Dank dem unermüdlichen Einsatz des lokalen Teams konnten die Projekte trotzdem erfolgreich durchgeführt werden. Ein Beispiel ist das Projekt zur Stärkung der Resilienz von Kleinbäuer*innen mit Fokus auf Frauen, junge Menschen und Binnenvertriebene: Es bietet einen ganzheitlichen, auf die Bedürfnisse der Bevölkerung zugeschnittenen Ansatz, um auf den fragilen Kontext im Land zu reagieren. Dabei werden kurzfristige Interventionen, welche die Resilienz stärken – wie verbesserte und an den Klimawandel angepasste Anbaumethoden oder Ausbildungen von Frauen und jungen Menschen –, kombiniert mit der Förderung des sozialen Zusammenhalts durch Radiosendungen, Theaterforen und Gemeinschaftstag

Oktober: Seenotrettung auf dem Mittelmeer

Seit 2014 sind mehr als 28’000 Menschen auf der Fluchtroute Mittelmeer gestorben. Direkt vor der Haustüre Europas. Sie waren auf der Flucht vor Armut, Verfolgung, Gewalt und Krieg. Getrieben von der Hoffnung auf die Möglichkeit eines besseren Lebens besteigen die Flüchtenden seeuntaugliche Schlauchboote und begeben sich dabei in Lebensgefahr. Damit die Schweiz nicht wegschaut, haben wir zur Solidarität mit der SOS Humanity aufgerufen: Die Seenotrettungsorganisation hat in den letzten acht Jahren über 36’000 Menschen auf der tödlichsten Fluchtroute der Welt gerettet. Gemeinsam mit Dominic Deville hatten wir die Gelegenheit, das Rettungsschiff im italienischen Siracusa zu besuchen, bevor die Crew zu ihrer nächsten Mission im Mittelmeer aufbrach.  

November: Electronics-Report

Sexuelle Belästigung, massive Überstunden, Ausbeutung von Temporärarbeiter*innen: Im November veröffentlichten wir unsere neuste Recherche, den Electronics-Report 2023. Wir haben die Arbeitsbedingungen in chinesischen Elektronikfabriken – den Produktionsstätten von Apple, HP, Lenovo und Co. – untersucht. Gleichzeitig zeigte eine Umfrage von Solidar Suisse bei Schweizer Detailhändlern, dass diese die Elektronikmarken zu wenig in die Pflicht nehmen, um für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu sorgen und Transparenz in der Lieferkette zu schaffen. Wir forderten sie in einer Petition auf, Transparenz über die sozialen und ökologischen Bedingungen bei der Herstellung von Elektronikgeräten zu schaffen und nicht mehr an Shopping-Events wie dem Black Friday teilzunehmen. 

Dezember: Ein Dankeschön an Sie!

Zum Abschluss des Jahres 2023 sagen wir Ihnen herzlich: Danke! Danke für Ihre grosse Solidarität während des ganzen Jahres. Ohne Sie wäre unsere Arbeit nicht möglich. Ohne Sie könnten wir nicht jene Menschen unterstützen, die in einem weniger privilegierten Land geboren wurden als wir. Auf unserem letzten Bild sehen Sie den grössten Teil des Solidar-Teams, das auch 2024 tagtäglich für fairere Arbeitsbedingungen, mehr demokratische Mitsprache, Frauenrechte und für Menschen kämpft, die von den Auswirkungen von humanitären Katastrophen getroffen wurden. Auf ein solidarisches und kämpferisches neues Jahr!

Schenken Sie soziale Gerechtigkeit

Mit Ihrer Spende kämpfen Sie mit uns gegen die weltweite extreme Ungleichheit.

Unsere Projekte

Erfahren Sie mehr über unsere Arbeit im Jahr 2023:

Made in Europe genügt nicht

– Das Beispiel Bosnien zeigt: Auch in Europa sind Existenz sichernde Löhne keine Selbstverständlichkeit. Um dies zu ändern, hat Solidar Suisse Ende letztes Jahr die «Labor Rights Academy» lanciert.
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Fallstudie Textilindustrie Bangladesch

– Textilindustrie in Bangladesch: Eine neue Fallstudie beleuchtet die prekären Arbeitsbedingungen und das Zusammenspiel von Wirtschaftswachstum, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit.
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Arbeiten unter Palmen, ein Traumjob?

– Christian Eckerlein spricht über die prekäre Situation der illegalen Arbeitsmigrant*innen auf den Palmölplantagen von Sabah.
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Generalversammlung 2024

– Am Donnerstag, 23. Mai 2024 findet unsere Generalversammlung in Zürich statt. Alle Unterlagen für die Veranstaltung finden Sie hier.
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Neues ILO-Abkommen für Existenzlöhne

– Ein Meilenstein: In einem neuen Abkommen definiert die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) zum ersten Mal, was ein Existenzlohn («Living Wage») ist. Ein wichtiges Bekenntnis zum Recht von Arbeiter*innen auf einen Lohn, der zum Leben reicht.
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Human Rights Filmfestival

– Solidar Suisse zeigt den Film «Myanmar Diaries» vom Myanmar Film Collective mit anschliessender Podiumsdiskussion. Am 6. April um 18.10 Uhr im Zürcher Kino RiffRaff.
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Internationaler Frauentag

– Der Internationale Tag der Frauenrechte bietet Gelegenheit, die Errungenschaften der Frauen zu feiern, aber auch die Bedeutung zu betonen, weiterhin gegen Diskriminierung, Gewalt und Geschlechterungleichheit anzukämpfen, die fortbestehen. Ein Blick auf Bolivien.
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Legate und Nachlässe: Frischer Wind

– Was passiert mit Ihrem Nachlass? Ist es eine Option für Sie, Organisationen wie Solidar Suisse in Ihrem Testament zu berücksichtigen? Solidar Suisse hat seit diesem Jahr ein neues Expertinnen-Team für Nachlässe und Legate, das klare Ziele hat.
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Solidar trägt zu Mitbestimmung bei

– Eine externe Studie hat gezeigt, dass der Solidar-Ansatz für Partizipation sehr wirksam ist. Eine besondere Stärke unserer Projekte liegt im Dialog aller Beteiligten und der Förderung zivilgesellschaftlicher Organisationen, damit die Betroffenen Einfluss nehmen können auf Entscheide, die sie betreffen.
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